Polizei Amsterdam | Kriminalpolizei Training
Wie wir ein virtuelles Tatortuntersuchungstraining für die Bezirkskriminalpolizei entwickelt haben
Der Kunde
Die Bezirkskriminalpolizei der Nationalen Polizei ist für die Aufklärung von Straftaten innerhalb ihres Bezirks verantwortlich. Taktische Ermittler übernehmen dabei die Aufgabe, die Wahrheit herauszufinden und Verdächtige zu identifizieren.
Die Fragestellung
Bei Tatortuntersuchungen müssen Ermittler viele Dinge gleichzeitig beachten, was dazu führen kann, dass wichtige Details übersehen werden. Dies kann den Verlauf der Gerechtigkeit beeinträchtigen und Unsicherheit unter dem Personal hervorrufen.
Die Ausbildung von Ermittlern dauert lange, und die hohe Fluktuation führt dazu, dass Wissen verloren geht. Hinzu kommen hohe Arbeitsbelastung und struktureller Personalmangel, wodurch zu wenig Zeit zum Lernen und Üben bleibt.
Die Lösung
In enger Zusammenarbeit mit der Polizei Amsterdam entwickelten wir ein VR-Training zur Schulung des „taktischen Blicks“, zur Förderung hypothesen- und szenariobasierten Denkens und zur Stärkung der Selbstreflexion. Besonders neue Ermittler profitieren von dem orts- und zeitunabhängigen Training. Für erfahrene Ermittler ist es eine willkommene Auffrischung.

Tutorial
Im Tutorial lernen die Nutzer alle Aspekte und Funktionen des VR-Trainings kennen. Wer bereits digitale Vorkenntnisse hat, kann es schneller durchlaufen, während andere bei Bedarf zusätzliche Übungszeit erhalten.
Grundfunktionen wie Auswählen, Gehen und Aufheben werden geübt, um die Teilnehmenden mit der Virtual Reality vertraut zu machen. Zudem werden spezifische Funktionen wie die Interaktion mit Kollegen sowie das Sammeln und Kategorisieren von Beweisen vermittelt.

Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Ermittler
Zu Beginn des Trainings wird der Ermittler einer erfahrenen Kollegin, Inge, vorgestellt. Sie erklärt während des Trainings die einzelnen Prozessschritte und gibt hilfreiche Hinweise, mit dem Ziel, neue Perspektiven und Erkenntnisse zu eröffnen.ghts.
in typisches Szenario
as VR-Training simuliert einen Tatort mit einer verstorbenen Person. Der Ermittler muss Hinweise sammeln, analysieren und kategorisieren, um ein mögliches Motiv zu ermitteln. Denn: Warum und wie kam dieser Mann ums Leben und welche Hinweise braucht man, um das zu beantworten?
Polizeisysteme
Nach Inges Einführung geht eine Meldung über eine gefundene Leiche ein. Vor dem Besuch des Tatorts kann der Ermittler Informationen aus den digitalen Polizeisystemen abrufen.
Am Tatort findet zunächst ein Gespräch mit zwei Kollegen vom Streifendienst statt, die erste Informationen zur Situation liefern.
Der Ermittler kann Informationen auswählen und als „interessant“ markieren, um sie später im Fall zu verwenden. Zudem erhält er Hinweise vom Gerichtsmediziner und dem forensischen Team. Diese zeigen, dass ein natürlicher Tod nicht offensichtlich ist ein Verbrechen kann anhand der Spuren nicht ausgeschlossen werden.

Hinweise
Nachdem sich der Ermittler einen ersten Überblick verschafft hat, sucht er nach Hinweisen, die zur Klärung des Vorfalls beitragen können etwa taktische Hinweise wie Dokumente oder Spuren von Gewalt. Die Hinweise können offen sichtbar oder beispielsweise in Schubladen versteckt sein.
Zeitachse
Der Ermittler muss Hinweise finden und auswählen, die Aufschluss über einen möglichen zeitlichen Ablauf geben etwa eine Zeitung, einen Brief oder geschlossene Vorhänge bzw. eingeschaltetes Licht.
Hypothesen
Die Hinweise können von dem Ermittler verschiedenen Kategorien wie „natürlicher Tod“, „Unfall“, „Selbstmord“ oder „Verbrechen“ zugeordnet werden, auch mehrfach. Die Kategorien stehen für Hypothesen, wodurch ein szenariobasiertes Denken gefördert wird.

Viktimologie
Im Training wird der Ermittler gezwungen, sich mit dem Verstorbenen auseinanderzusetzen. Hinweise können gefunden, ausgewählt und Kategorien wie „Verbrechen“, „Gesundheit“, „Geisteszustand“, „finanziell“ oder „Beziehungen“ zugeordnet werden.
Denkraum
Während der Tatortuntersuchung kann sich der Ermittler jederzeit in den sogenannten Denkraum begeben. Dort werden auf Tafeln alle gesammelten Hinweise nach Kategorien angezeigt. Da das Notieren in VR schwierig ist, ersetzt der Denkraum Stift und Papier als Hilfsmittel zur Strukturierung der Gedanken.
Hypothesen prüfen
Im Denkraum gibt es Reflexionsfragen zu den zu überprüfenden Hypothesen. Der Ermittler wird gefragt, ob er diese am Tatort berücksichtigt hat. So taucht er gezielt in die jeweilige Hypothese ein.
Reflexion
Am Ende der Untersuchung wird angezeigt, welche taktischen Hinweise die erfahrene Kollegin ausgewählt hätte. Dies ermöglicht einen Vergleich. Der Ermittler betrachtet mindestens fünf Hinweise, die er selbst nicht ausgewählt hat, die aber von der Seniorin gewählt wurden, inklusive Begründung, was zu neuen Einsichten führen kann.

Todesursachen
Anschließend sieht der Ermittler zwei Animationen, die zeigen, dass sowohl ein Verbrechen als auch ein Unfall möglich gewesen wären. Was tatsächlich geschah, bleibt offen wie auch im echten Leben.